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The Sustainable Stay

Nachhaltiges Hotel werden: der erste Schritt am Nachttisch

Alon Shkuri · 19 Okt 2026 · 6 MIN LESEZEIT

Nachhaltiges Hotel werden: der erste Schritt am Nachttisch

Wie wird man ein nachhaltiges Hotel, und zwar so, dass Gäste es auch sehen? Die meisten Hotels wollen Einwegplastik reduzieren, aber das klingt schnell nach einem großen Projekt mit neuen Lieferanten, neuen Abläufen und zusätzlicher Arbeit für das Personal. Ein praktischer Anfang ist der Gegenstand, den Gäste als Erstes in die Hand nehmen: die Wasserflasche auf dem Nachttisch.

So sieht es Bart Willems, Mitgründer von Bottle Up, einer pflanzenbasierten, wiederverwendbaren Wasserflasche, die Einwegplastik in der Hotellerie ersetzen soll. Seit 2019 begleitet er Hotels in ganz Europa bei diesem Wechsel. Seine Erfahrung zeigt, was sich für Gäste, Personal und Budget ändert und wo die Grenzen eines einzelnen Produkts liegen.

Warum ein nachhaltiges Hotel bei dem beginnt, was Gäste sehen

Ein Großteil der Nachhaltigkeitsarbeit eines Hotels bleibt unsichtbar. Energieverbrauch und weniger Lebensmittelverschwendung sind wichtig, aber ein Gast bemerkt sie selten. Nach Barts Ansicht zählt deshalb der erste sichtbare Schritt. Man stelle sich einen Gast vor, der die Tür zu seinem Zimmer öffnet: Er sieht das Bett, vielleicht den Fernseher und eine Flasche Wasser auf dem Tisch. In den meisten Hotels ist diese Flasche aus Plastik, manchmal aus Glas oder eine Dose.

Eine wiederverwendbare Flasche an dieser Stelle leistet drei Dinge zugleich. Sie wird dem Gast direkt überreicht, sie kann als Geschenk mit nach Hause gehen, und sie zeigt sofort, dass das Hotel Nachhaltigkeit ernst nimmt. Bart argumentiert, dass dies ohne Änderungen an internen Prozessen möglich ist.

“Starting with bottle up is the easiest and most clear statement of reusability.”

Bart Willems, 1:44

(Übersetzt: „Mit Bottle Up anzufangen ist die einfachste und klarste Art zu zeigen, dass man auf Wiederverwendung setzt.“)

Er ergänzt, dass die Gruppe der Reisenden, die gezielt nach nachhaltigen Hotels sucht, weiter wächst, und dass diese Reisenden echten Einsatz sehen wollen, nicht nur eine Erklärung auf einer Website. Auch ein grünes Hotel mit weniger Reinigung zeigt diesen Einsatz.

Biobasiert, biologisch abbaubar oder wiederverwendbar: der Unterschied

Bevor man ein Produkt wählt, hilft es, bei den Materialien genau zu sein. Das größte Missverständnis, dem Bart begegnet, ist, dass Hotels pflanzenbasierte Materialien schlicht noch nicht kennen. Die meisten PET-Flaschen bestehen noch aus erdölbasierten Materialien, daher braucht die Idee etwas Erklärung. Drei Begriffe werden oft verwechselt:

  • Biobasiert bedeutet, dass das Material von einer Pflanze stammt, etwa Zuckerrohr, statt aus Erdöl.
  • Biologisch abbaubar bedeutet, dass ein Material zerfällt, und das ist eine andere Eigenschaft und hier nicht das Ziel.
  • Wiederverwendbar ist der eigentliche Punkt: Die Flasche soll nachgefüllt und wieder benutzt werden, zu Hause oder unterwegs.

Die Flasche, die Barts Unternehmen herstellt, besteht aus dem Harz von Zuckerrohr statt aus Erdöl. Nach seinen Worten nimmt Zuckerrohr während des Wachstums mehr CO2 aus der Luft auf, als bei der Herstellung ausgestoßen wird, weshalb er sie als CO2-neutral und nachhaltiger als die Alternativen beschreibt.

Sieh dir das ganze Gespräch an: Die Flasche hinter dem nachhaltigen Aufenthalt

Wie Gäste auf nachhaltige Amenities im Zimmer reagieren

Eine nachhaltige Amenity funktioniert nur, wenn Gäste sie schätzen. Bart sagt, dass die Rückmeldungen von Gästen, die eine wiederverwendbare Flasche im Zimmer finden, durchweg positiv sind. Menschen schicken Nachrichten und posten Fotos der Flasche, sagen, dass sie sich über das Geschenk des Hotels gefreut haben und sie weiter benutzen wollen.

Das Design spielt dabei eine große Rolle. Nach seinen Worten sehen Gäste selten eine wiederverwendbare Flasche mit Wasser aus nachhaltigen Materialien, die so gut aussieht. Das bringt einen Nebeneffekt, den jedes Hotel nutzen kann: Wenn Gäste die erhaltene Amenity teilen, bekommt das Hotel Aufmerksamkeit, für die es nicht bezahlt hat. Die positiven Reaktionen bei den ersten Proben in Hotels haben die Hotellerie laut ihm zum wichtigsten Markt seines Unternehmens gemacht.

Die versteckten Kosten von Mehrweg-Glasflaschen

Viele Hotels, die von Plastik wegwollen, steigen auf nachfüllbare Glasflaschen um. Die Absicht ist gut, aber Bart verweist darauf, was dieser Weg hinter den Kulissen kostet.

“Then they have to wash these bottles, fill them. It takes a lot of energy, a lot of time from staff, so it's not ideal.”

Bart Willems, 5:40

(Übersetzt: „Dann müssen sie diese Flaschen spülen und befüllen. Das kostet viel Energie und viel Zeit des Personals, also ist es nicht ideal.“)

Mit einer wiederverwendbaren Flasche, die der Gast nach dem Check-out mit nach Hause nimmt, entfällt dieser Kreislauf. Im Vergleich zu Einwegplastik und Mehrwegglas muss ein Hotel nicht mehr:

  • Glasflaschen spülen und befüllen, was Energie und Personalzeit kostet;
  • weggeworfene Einwegflaschen aus den Zimmern einsammeln;
  • diese Flaschen zum Recycling bringen, was laut Bart Geld, Zeit und Abfall spart;
  • die Routine im Housekeeping ändern, denn wer das Zimmer vorbereitet, stellt die biobasierte Flasche dorthin, wo vorher die Plastikflasche stand.

Auch die Bestellung kann einfach bleiben. Hotels können über den Großhändler bestellen, den sie schon für Wasser in Einwegflaschen nutzen. Bart sagt klar, warum das zählt: Hotels wollen den Nachhaltigkeitsnachweis, aber es darf nicht zu viel kosten und muss sehr einfach sein. Ist es nicht einfach, funktioniert es nicht.

Kosten, Risiko und wie man den Business Case aufbaut

Für Hotels dreht sich laut Bart alles um das Gästeerlebnis. Manager wollen sicher sein, dass der Schritt zum nachhaltigen Hotel eine Ergänzung ist und kein Risiko. Beim Preis beschreibt er die wiederverwendbare Flasche als nur etwas teurer als eine Einwegflasche, während sie den Abfall deutlich reduziert und Gästen etwas gibt, das sie behalten.

Nach seiner Erfahrung ist das Zögern verständlich. Wasser in Einwegflaschen war billig und tat nicht weh, also gab es keinen offensichtlichen Grund für eine Änderung, und anfangs brauchte ein Wechsel viel Erklärung. Was einem Hotel bei der Entscheidung hilft:

  • Nachweise aus anderen Häusern: zu sehen, wie ein Produkt in Hotels funktioniert, die es schon nutzen, ist in Barts Worten der beste Beweis, den ein Hotel bekommen kann.
  • Erfahrungen von Kollegen: Die Hotelbranche ist eng vernetzt, und Entscheidungen laufen über Kontakte, Messen und Hotel-Communities.
  • Ein vollständiger Kostenvergleich: den kleinen Preisunterschied gegen den Aufwand und die Personalzeit abwägen, die das Hotel spart.

Ein erster Schritt zum Nachfüllen im großen Maßstab

Eine wiederverwendbare Flasche ist nicht die vollständige Antwort, und Bart stellt sie auch nicht so dar. Die Mission, die er beschreibt, ist, Wiederverwendung zur neuen Normalität zu machen, und er erwartet, dass Wasser in Einwegflaschen noch eine Weile existieren wird.

“The end state is truly circular at scale. But this is a first step to change habits, to make it easy for hotels to change habits.”

Bart Willems, 18:59

(Übersetzt: „Der Endzustand ist wirklich zirkulär im großen Maßstab. Aber das ist ein erster Schritt, um Gewohnheiten zu ändern und es Hotels leicht zu machen, ihre Gewohnheiten zu ändern.“)

Den nächsten Schritt sieht er im Nachfüllen im Hotel selbst. Sein Unternehmen arbeitet mit Herstellern von Wasserspendern für Hotels zusammen, sodass ein Gast eine Flasche bekommt oder kauft und sie im Flur oder an anderer Stelle im Gebäude nachfüllt. Der Gastgeber ergänzt, dass jüngere Generationen, die von der Hotelfachschule in die Branche kommen, sich stark für diesen Wandel einsetzen, was aus seiner Sicht jedem hilft, der ein nachhaltiges Hotel werden will.

Wenn Sie hören möchten, wie das in der Praxis lief, von den ersten Proben in Hotels bis zu den Plänen für 2026, sehen Sie sich das ganze Gespräch an, und finden Sie weitere Folgen über umweltfreundlicheren Betrieb in der Serie The Sustainable Stay.

The Simplest Way to Make Sustainability Visible

Häufig gestellte Fragen

Mit welchen nachhaltigen Amenities sollte ein Hotel beginnen?

Bart Willems argumentiert, dass die meiste Nachhaltigkeitsarbeit in einem Hotel für Gäste abstrakt ist, etwa Energieverbrauch oder Lebensmittelverschwendung. Eine Flasche auf dem Nachttisch sieht und hält jeder Gast. Damit ist sie aus seiner Sicht die klarste und einfachste Art, wie ein Hotel zeigen kann, dass es auf Wiederverwendung setzt, ohne interne Prozesse zu ändern.

Ist eine pflanzenbasierte Flasche dasselbe wie eine biologisch abbaubare?

Nein. Biobasiert und biologisch abbaubar sind verschiedene Dinge. Die Flasche, die das Unternehmen von Bart Willems herstellt, besteht aus Zuckerrohrharz statt aus Erdöl, und er erklärt, dass Zuckerrohr beim Wachsen mehr CO2 aufnimmt, als bei der Herstellung ausgestoßen wird. Die Flasche soll nachgefüllt und wiederverwendet werden, nicht nach einmaligem Gebrauch zerfallen.

Kostet der Abschied von Plastikflaschen ein Hotel mehr?

Laut Bart Willems ist die wiederverwendbare Flasche nur etwas teurer als Wasser in Einwegflaschen. Er stellt dem gegenüber, was ein Hotel spart: kein Einsammeln weggeworfener Flaschen, keine Fahrten zum Recycling und, im Vergleich zu Mehrwegglas, kein Spülen und Befüllen durch das Personal. Gäste nehmen die Flasche nach dem Check-out außerdem mit nach Hause.

Wie bestellt ein Hotel wiederverwendbare Wasserflaschen?

Bart erklärt, dass Hotels über den Großhändler bestellen können, den sie schon für ihr Wasser in Einwegflaschen nutzen. Die Idee ist, jeden Aufwand zu vermeiden, weil Hotels den Nachhaltigkeitsnachweis ohne zusätzliche Arbeit wollen. Im Zimmer ändert sich für das Housekeeping nichts: Die Flasche ersetzt einfach die Plastikflasche auf dem Nachttisch.

Sieh dir das ganze Gespräch an →Die Flasche hinter dem nachhaltigen Aufenthalt
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